Die Digitalisierung der Kommunen darf nicht länger von befristeten Modellprojekten abhängen. Das fordern der Digitalverband Bitkom, der Deutsche Städtetag, der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) und die Kommunale Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) in einem gemeinsamen Positionspapier.
Anlass der konzertierten Aktion ist das Auslaufen zentraler Förderprogramme wie der Modellprojekte Smart Cities des Bundesbauministeriums. Deshalb fordern die Organisationen, die weitere Digitalisierung von Städten und Regionen aus der bisherigen Förderlogik herauszuführen und in dauerhaft finanzierte Strukturen zu bringen, die allen Kommunen zugutekommen.
Wie ungleich der digitale Fortschritt bislang verteilt ist, zeigt der Smart City Index des Bitkom. Selbst unter den 83 deutschen Großstädten kommen die kleinsten mit 100.000 bis 149.999 Einwohnern im Schnitt nur auf 66,8 von 100 möglichen Punkten, was ihren Digitalisierungsgrad angeht. Städte mit mehr als einer Million Einwohnern erreichen im Schnitt 87,5 Punkte.
Das Papier enthält vier konkrete Forderungen. Erstens soll das Thema einen festen Platz in der Digitalpolitik von Bund und Ländern bekommen, unter Einbeziehung des Bundesdigitalministeriums und der Digitalressorts der Länder. Zweitens sollen Bund und Länder den Kommunen dauerhaft digitale Basisinfrastrukturen bereitstellen und finanzieren. Dazu gehören zum Beispiel Datenplattformen, auf denen Informationen aus der ganzen Stadt oder dem Landkreis zusammenlaufen. Darauf bauen Anwendungen auf, die Bürger im Alltag nutzen, etwa eine App, die freie Parkplätze oder die tatsächliche Ankunftszeit des nächsten Busses anzeigt. Damit die Basisinfrastrukturen zusammenpassen, brauchen sie gemeinsame Standards. Der Deutschland-Stack, die gemeinsame technische Grundlage, die der Bund gerade für die digitale Verwaltung aufbaut, sollte diese Standards und Schnittstellen von Anfang an berücksichtigen, damit sich kommunale Lösungen leicht anbinden lassen.
Drittens soll der Online-Marktplatz „Marktplatz Deutschland Digital“ so ausgebaut werden, dass Kommunen dort erprobte Smart-City-Lösungen öffentlicher und privater Anbieter finden und direkt einkaufen können, statt Lösungen selbst zu entwickeln. Und viertens braucht es eine zentrale Anlaufstelle, die Kommunen und ihre kommunalen Unternehmen wie Stadtwerke berät und begleitet, von der Auswahl einer Lösung über die Einführung bis zum Betrieb und zur Finanzierung.
Die digitale Transformation von Städten, Regionen und Behörden ist auch Thema der Smart Country Convention, Deutschlands führender Veranstaltung für die Digitalisierung des öffentlichen Sektors. Vom 13. bis 15. Oktober 2026 kommen auf dem Berliner Messegelände mehr als 23.000 Expertinnen und Experten aus Verwaltung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zusammen. Im Mittelpunkt stehen Staatsmodernisierung, Verwaltungsdigitalisierung, Künstliche Intelligenz, digitale Teilhabe, digitale Souveränität, Cybersicherheit sowie in diesem Jahr das Thema Widerstandsfähigkeit im Krisenfall. Diesem Thema widmet die Smart Country Convention erstmals einen eigenen Resilience Day am 15. Oktober.
Weitere Informationen gibt es unter www.smartcountry.berlin.